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Begleitmusik zu keiner Lichtspielszene

„Das Stück scheint ja zu gefallen, soll ich daraus Schlüsse auf seine Qualität ziehen?” - schrieb Arnold Schönberg über den Erfolg der Uraufführung seiner „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene”. Die Komposition, die zwischen dem 15. Oktober 1929 und dem 14. Januar 1930 entstand und am 6. November 1930 im Rahmen der Symphoniekonzerte der Berliner Kroll-Oper unter Otto Klemperer uraufgeführt wurde, läßt durch ihre drei Teile (Drohende Gefahr, Angst, Katastrophe) die expressionistische Atmosphäre der Orchesterstücke op. 16 erahnen.

Das Werk entstand in einer Zeit, in der Schönberg sich mit dem Problem der Visualisierung in der Musik auseinandersetzte. Kurz davor hatte er dem Verlag Bote & Bock ein „neues, großes geplantes Oratorium” vorgeschlagen als Teil für eine lang geplante Trilogie, die insgesamt drei Abende umfassen sollte: „Moses und Aron” (ein anderer Teil sollte aus Strindbergs „Und Jacob ringt” entstehen, was zur späteren „Jakobsleiter” werden sollte). Den Text zu „Moses” hatte er bereits verfaßt, auch wenn nicht in endgültiger Form. Der Verlag lehnte ab und das Oratorium wurde später zur Oper.

Die Arbeit an „Moses” hatte Schönberg unterbrochen, um eine Oper zu komponieren, die einen total anderen Charakter hatte: „Von Heute auf Morgen”, auf Texte seiner Frau (unter dem Pseudonym Max Blonda), wurde 1929 komponiert und 1930 uraufgeführt, sowie die „Begleitmusik”. Otto Klemperer interessierte sich sehr, aber er mußte ablehnen: „maßlos schwer” war sein Urteil. Als Ausgleich wollte er die „Begleitmusik” aufführen sowie ein gewagtes Projekt realisieren: die Einakter Schönbergs „Erwartung” und „Die glückliche Hand”. Als Dirigenten standen keine Geringeren als Zemlinsky für die „Erwartung” und Klemperer für „Die glückliche Hand” am Pult. Die Aufführungen waren jedoch kein Erfolg: die Presse kritisierte die Tatsache, daß man so viel Geld in einen so kurzen Abend investierte (jede Komposition ist kaum 30 Minuten lang) und nach der dritten Aufführung mußte „Erwartung” abgesetzt werden, nach der vierten auch „Die glückliche Hand”. Aber „Die glückliche Hand” ist auch auf die schärfste Kritik seitens Schönbergs geraten. Wie bekannt, hatte Schönberg für diese Komposition nicht nur ganz genau die Handlung, sondern auch Farben und Regieanweisungen „mitkomponiert”. Zudem hatte er auch eigene Entwürfe zum Bühnenbild gezeichnet. Der Regisseur Arthur Maria Rabenalt wollte zwar eine abstrahierende Inszenierung, was typisch für die Kroll-Oper war, und der berühmte Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer (ein großer Bewunderer Schönbergs) konnte als Bühnenbildner gewonnen werden; Schönberg jedoch wollte - und sicher zurecht - nicht von seinen mitkomponierten Anweisungen abrücken. Seine Frau spitzte die Konflikte noch mehr zu, bis der Komponist gebeten wurde, möglichst ohne sie zu den Proben zu erscheinen. Wie auch immer - für Schönberg waren diese Aufführungen eine traumatische Erfahrung.

Es kann also nicht überraschen, wenn Schönberg auf den Vorschlag Klemperers, die „Begleitmusik” mit einem abstrakten Film eines anderen Bauhaus-Künstlers, László Moholy-Nagy zu verbinden, folgendes geantwortet hat: „Ihren Vorschlag mit dem abstrakten Film finde ich nach Hinundherüberlegen doch sehr bestechend, da er das Problem dieser “Musik zu einem Film” löst. Nur eines: der Schrecken der Berliner Inszenierung meiner beiden Einakter, die Greuel, die hier von Unglauben, Talentlosigkeit, Unwissenheit und Leichtfertigkeit angerichtet wurden und die trotz der musikalischen Leistungen meine Werke aufs tiefste geschädigt haben, dieser Schrecken liegt mir noch zu sehr in den Gliedern, als daß ich nicht sehr vorsichtig sein sollte. Wie soll ich mich gegen derlei schützen? Ich kenne Herrn Moholy-Nagy nicht. Aber wenn ich besonders Unglück habe, dann vereinigt er in sich den lausbübischen, unwissenden Skeptizismus des Herrn Rabenalt mit der phantasielosen Anständigkeit des Herrn Schlemmer. Es gäbe nur einen Weg: daß Herr Moholy den Film mit mir zusammen arbeitet (da ist wenigstens einer dabei, dem was einfällt)”. Der Film wurde am Ende nicht realisiert.

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