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„Herr und Frau Goldkopf“ ist eine Kreuzung von Konzert und Mini-Oper.
Konzert als Abhebung des Solistischen (Trompete und Violine) vom Kollektiven, das offen, grenzüberschreitend das Musikalische auf dispositive Möglichkeiten von mixed media hin ausdehnt, dennoch aber - wenn auch karrikaturesk - das Genre Oper herbeizitiert.
Die Komposition läßt sich weder als Gattung noch auf syntaktischer Ebene „verorten“; das gestaltete „Material“ bleibt gewissermaßen schwebend materiell-immateriell.
Durch die Verwendung sozusagen veralteter Medien und einem kindlichen Umgang mit der Erscheinungs-Oberfläche Bühne entsteht eine Aura des Unzeitgemäßen, ähnlich wie beim Stummfilm, beim Wanderzirkus, beim Kasperletheater usw., was wiederum das Dadaistische etwa des Züricher „Cabaret Voltaire“ mit seinen Gedichtvorträgen, selbstgefertigten Kostümen / Masken und seinen Musikeinlagen herbeizitiert.
Tatsächlich findet aber das eigentliche Geschehen nicht dort statt, wo man es wahrzunehmen scheint - auf der Bühne vor dem Publikum - sondern als musikalisches Ereignis im Innern der Strukturen, als Frage nach den Grenzen des Konzertierens, das schon lange nicht mehr eine selbstverständliche Form des Musik-Machens ist.
Diese Frage stelle ich, indem ich ein Konzert mit durchgehend musikantischen Ambitionen - und nicht eine mediale Komposition - schreibe, bei dem einerseits die musikalische Syntax, die klingenden Dinge durch Konfrontation mit Fremdem aus ihrer Selbstreferentialität ausbrechen, andererseits aber die fremden, nichtklingenden Dinge als kompositorisches Dispositiv zu dieser Referenz wieder sich hin bewegen, eine Suche nach dem Musikalischen in der Realität des Phantastischen: „...das blaue Pfeifen mächtiger Siphone...“ oder „...Mund, Stirne und Augenhöhlen verschüttet von Safran...“, wie Hugo Ball sagt.
Bernd Thewes
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