Fresis04
Leon Schidlowsky: Grabstein für Else Lasker-Schüler

[PanArte] [Jenseits] [Lasker-Schüler] [Schidlowsky]

Es ist ein Weinen in der Welt,

Als ob der liebe Gott gestorben wär

Ich liege wo am Wegrand übermattet -

Und über mir die finstere kalte Nacht -

Ich weiß, daß ich bald sterben muß.

Textkollage von Leon Schidlowsky für den “Grabstein für Else Lasker-Schüler”, entnommen aus  folgenden Gedichte Schülers:

W e l t e n d e

Es ist ein Weinen in der Welt,
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen...
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.

Du! wir wollen uns tief küssen -
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.

(Else Lasker-Schüler, 1902)

I c h  w e i ß

Ich weiß, daß ich bald sterben muß.
Es leuchten doch alle Bäume
Nach langersehntem Julikuß -
Fahl werden meine Träume -

Nie dichtete ich einen trüberen Schluß
In den Büchern meiner Reime.
Eine Blume brichst du mir zum Gruß -
ich liebte sie schon im Keime.

Doch ich weiß, daß ich bald sterben muß.
Mein Odem schwebt über Gottes Fluß -
Ich setze leise meinen Fuß
Auf den Pfad zum ewigen Heime.

(Else Lasker-Schüler, 1943)

I c h  l i e g e  w o  a m  W e g r a n d

Ich liege wo am Wegrand übermattet -
Und über mir die finstere kalte Nacht -
Und zähl schon zu den Toten längst bestattet.

Wo soll ich auch noch hin - von Grauen überschattet
Die ich vom Monde euch mit Liedern still bedacht
Und weite Himmel blauvertausendfacht.

Die heilige Liebe, die ihr blind zertratet,
Ist Gottes Ebenbild ...!
Fahrlässig umgebracht.

Darum auch lebten du und ich in einem Schacht!
Und - doch im Paradiese trunken blumumblattet.

(Else Lasker-Schüler, 1943)

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