Fresis04
Ich, Kuwitter

[PanArte] [Kuwitter] [Anna Blume]

Ich wurde als ganz kleines Kind geboren. Meine Mutter schenkte mich meinen Vater, damit er sich freute. Als mein Vater erfuhr, daß ich ein Mann war, konnte er sich nicht mehr halten und sprang vor Freude im Zimmer herum, denn er hatte sich sein ganzes Leben immer nur Männer gewünscht. Die größte Freude für meinem Vater aber war es, daß ich ein Zwilling war. Dann wuchs ich heran zur Freude anderer, und es ist schon immer in meinem ganzen Leben mein Bestreben gewesen, anderen immer nur Freude zu bereiten. Wenn sie sich dann doch mal aufregten, dafür kann man ja nichts. Mein Lehrer freute sich immer, wenn er mich ohrfeigen konnte, und die ganze Schule war froh, als ich mit ihr fertig war.

Ich studierte an der Hannoverschen Kunstgewerbeschule, wodurch diese später einmal berühmt wird. Dann war ich 5 Jahre Musterschüler der Akademie in Dresden, wie es mir schien. Ich lernte bei Bantzer Porträtmalerei, Herr Professor Bantzer ist dadurch Direktor der Akademie in Kassel geworden. Zwischendurch habe ich die Berliner Akademie blamiert, indem ich versuchte, dort als Schüler aufgenommen zu werden. Nach 4 Wochen wurde ich mit dem Begründen entlassen, als wäre ich vollständig talentlos. Das Schicksal teile ich mit Metzel.

An einem Vollmond-Herbstabend fiel mir der klare, kalte Mond auf. Seitdem dichtete ich lyrisch-sentimental.

Den Unsinn bevorzuge ich, aber das ist eine rein persönliche Angelegenheit. Mir tut der Unsinn leid, daß er bislang so selten künstlerisch geformt wurde, deshalb liebe ich den Unsinn. Elemente der Dichtkunst sind Buchstaben, Silben, Worte, Sätze. Durch Werten der Elemente gegeneinander entsteht die Poesie. Der Sinn ist nur wesentlich, wenn er auch als Faktor bewertet wird. Ich werte Sinn gegen Unsinn.

Mein Ziel ist das Merzgesamtkunstwerk, das alle Kunstarten zusammenfaßt zur künstlerischen Einheit. Zunächst habe ich einzelne Kunstarten miteinander vermählt. Ich habe Gedichte aus Worten und Sätzen so zusammengeklebt, daß die Anordnung rhythmisch eine Reihung ergibt. Ich habe umgekehrt Bilder und Zeichnungen geklebt, aus denen Sätze gelesen werden sollen. Ich habe Bilder so genagelt, daß neben der malerischen Bildwirkung eine plastische Reliefwirkung entsteht. Dieses geschah, um die Grenzen der Kunstarten zu verwischen.

Das Ende ist der Anfang jeden Endes. Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs.

Kurt Schwitters

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