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“ Der schwarze Schwan Israels, dem die Welt entzweigegangen ist" (P. Hille) von Christel Jörges
In Elberfeld/Wuppertal wurde Else Lasker-Schüler 1869 geboren, sie starb 1945 in Jersualem - eine deutsche Jüdin, Dichterin, Stadt-indianerin, durch zwei Weltkriege fortwährende Emigrantin. 1894 heiratet sie den Arzt Bertold Lasker und verliebt sich in den Vater ihres Sohnes Paul, dessen Identität nie aufgeklärt wurde, und läßt sich nach 5 Jahren scheiden. 1902 veröffentlicht sie erstmals ihre Gedichte, engagiert sich politisch und heiratet Herwath Walden (1903). Mit Turban, Tafthosen und Glöckchen an den Schuhen nennt sie sich in dieser Zeit "Prinz von Theben" - eine changierende Persönlichkeit zwischen den Kulturen mit arabischen und asiatischen Märchenwesen. 1909 trennt sie sich von Walden - ab jetzt wird sie nie wieder eine richtige Wohnung haben. Sie lebt in Hotelzimmern, Pensionen, Cafés in Berlin, oft Hunger leidend und in völliger Armut. Aber selbst Geld, das sie verdient oder ihr als Förderung zukommt, wird ihr in ihrem ganzen Leben stets zwischen den Fingern zerrinnen. Bis zu ihrem Lebensende verschenkt sie an Bettler, kauft Taubenfutter, ohne selbst den Tag überleben zu können. 1912 verbindet sie mit Gottfried Benn eine leidenschaftliche Liebe, die später bitter zerbrechen soll. Sie nennt ihn "Kalif, oberster Statthalter" ihres eigenen Reiches. Vor dem 1. Weltkrieg wird sie auf der Straße in München verhaftet wegen ihrer Kleidung - später (1933) wird sie auf der Straße blutig geschlagen. Sie ist die große Liebende, die ihr liebsten Menschen sterben. Der Maler Franz Marc stirbt im 1. Weltkrieg vor Verdun 1916 - ihm gewidmet ist das Gedicht "Weltende" - und 1921 stirbt ihr Sohn Paul mit 31 Jahren. In den 20er Jahren ist sie durchaus erfolgreich, verkehrt in den wichtigsten Künstlerkreisen, pflegt tiefe Freundschaften zu einzelnen Künstlern. So wird 1921 ihr Stück "Die Wupper" (1921) am Deutschen Theater von Max Reinhardt uraufgeführt. Bereits 1930 weiß Else Lasker-Schüler um die antisemitische Stimmung in Deutschland, selbst kritisch gegenüber den orthodoxen Juden in Deutschland eingestellt. Sie schreibt über eine Lesung in Hannover 1930 :"Stellen Sie sich vor, der ganze Saal voll mit dreihundert Metzgergesellen, jeder ein blankgeschliffenes Messer in der Hand". Bereits 1932 erfährt sie das Messer persönlich bei ihrer Kleist-Preisverleihung - die Presse bezeichnet sie als pervers und dekadent. Ab 1933 werden ihre Stücke von den Nazis abgesetzt, sie flieht in die Schweiz, schläft mit ihrem Koffer auf Parkbänken und wird wegen Landstreicherei festgenommen. 1934 sehnt sie sich erstmals nach Palästina und entwirft dafür eine friedliche Vision: Juden und Araber fahren auf dem Rummelplatz zusammen Karusell und essen Reibepfannkuchen. Von Zürich aus reist sie mehrmals nach Jerusalem, nach ihrer 3. Reise im Jahr 1939 darf sie nicht zurück in die Schweiz und bleibt - unfreiwillig. Ihr Gedichtzyklus "Mein blaues Klavier" entsteht, der 1943 veröffentlicht wird - daraus die Gedichte "Ich liege wo am Wegrand" und "Ich weiß". Dort auch ihre Klage "Ach liebe Engel öffnet mir/-Ich aß vom bitteren Brote -/Mir lebend schon die Himmelstür -/Auch wider dem Verbote." Else Lasker-Schüler darf nicht mehr in die Schweiz einreisen - sie lebt als Engel mit gebrochenen Flügeln, als "Jussuf von Theben" - fast verwahrlost, immer wieder jung verliebt - und stirbt mit 76 Jahren. Sie wird am Ölberg begraben, der noch jordanisches Territorium ist. Die Israelis werden ihr 1976 ein 2. Begräbnis gönnen in einem Sammelgrab und an einer anderen Stelle den Grabstein aufstellen. Auch als Tote ist Else Lasker-Schüler im Exil.
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