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I PROLOG Sprecher Drei Teile lassen sich deutlich unterscheiden. Der erste: ein mystisches Erlebnis der Eheleute Goldkopf. Eine weiße Lawine kommt bei ihnen zu Besuch, eine sich steigernde Reinheit und Helle wächst ihnen zu. Ihr Haus liegt über dem Abgrund und an der Fabelwiese, auf der der Buchstabenbaum einhergeht. Stimme aus dem Off Das ist jener Baum, von dem die poetischen Adams und Evas essen. Sprecher Zärtliche Allegorien in Tiergestalt treten auf. Traumhaft die Notenständer des Lachens, die Tenderenda bei Lebzeiten verteilte. Der zweite Teil ist die Ballade von Koko dem grünen Gott. Stimme aus dem Off Das ist der Phantastengott. Von ihm kommt alle Glückseligkeit, solang er in Freiheit die Flügel schwingt. Setzt man ihn aber gefangen, so rächt er sich durch Verzauberung derer, die ihm am nächsten sind. Sprecher Der dritte Teil ist ein Epilog des Ehepaares Goldkopf. Es schüttelt den Staub seiner Zeit von den Füßen und prophezeit ein Ende der Gottlosen und der Verzauberung. Den Kehraus macht ... Stimme aus dem Off ... wie es recht und billig ist, ... Sprecher ... ein Vers des Herrn Dichterfürsten Johann von Goethe. II-1 BEGEGNUNG AUF DER BLAUEN WAND Herr und Frau Goldkopf Herr und Frau Goldkopf begegnen sich auf der blauen Wand. Herr Goldkopf hängt eine Sternschnuppe aus der Nase. Frau Goldkopf hat einen grünen Federwisch am Hut. Herr Goldkopf macht einen Kratzfuß. Frau Goldkopf hat eine Hand wie eine fünfzinkige Gabel. [nicht gesprochen, sondern vor der monochrom blau leuchtenden Leinwand durch Kostüm und Aktion entsrechend des Textes von Hugo Ball dargestellt] Sprecher Eine Lawine kommt die Treppe herauf. Hart hinter der Nacht. Eine weiße Lawine die wacklige Treppe. Herr und Frau Goldkopf Frau Goldkopf verbeugt sich. Herr Goldkopf tippt sich an die Stirn. Eine weiße Fontäne entspringt seinem Kopfe. Sprecher In keinem Jahrhundert ward solches gesehen. In keinem Jahrhundert. 2-ALLEGORIE Stimme aus dem Off Die Feuer- und Schneehähne steigen entsetzt aus der Tiefe. Die heiseren Kühe putzen einander die Nasen. Auf der Smaragdwiese wandelt der Buchstabenbaum. Auf der Smaragdwiese: sodaseifener Wurm gigampfet aufgezäumt. Sein Reiter stürzt ab und verteilt die Notenständer des Lachens. Er steigt in die Morgen- und Abendschaukel, wiegt sich und schwingt sich und hüpfet ins Jenseits. Da kommen der Flötenbock, Puderbock, Tulpenbock, recken die Hälse. Da stehet im Hintergrund ein Vogelhaus. Drin sitzt der Kaduderhahn und schäumt Sterne. 3- DUETT 1 Herr Goldkopf (verwundert) Die Tulpe ist eine Gartenblume, schön, aber geruchlos. Auf einer Höllenmaschine kann man nicht Kaffee kochen. Frau Goldkopf In gremio matris sedet sapientia patris. So ist´s mit der Tulpe. In der Erde hat sie eine Zwiebel. Darum ist sie eine Zwiebelpflanze. Herr Goldkopf Epileptiker fallen allhier von den Bäumen. Das blaue Pfeifen mächtiger Syphone lockt. Das Bild sakrosankter Dreieinigkeit glüht über dem Buchstabenbaum. Erstaunet Sie nicht, Frau Goldkopf, die hohe Kindlichkeit aller Begebenheiten? Frau Goldkopf Oh Sie mit Ihren fanatischen weltstürmenden Gedanken! Tanzende Tiere sind wir in ragendem Kopfputz. Wir ringen um Nüchternheit. Wahrlich vergebens. Wer von wem weiß was? Herr Goldkopf Doch erinnern Sie sich: Sambuco? Fünf Häuser auf einer grünen Wand. Der Boden, auf dem Sie da stehen: dreieckiger Glasscherben im Weltenraum. Koko der grüne Gott, hat uns verzaubert. Frau Goldkopf Koko - das ist: unser Sohn? Warum wollen Sie Weltschmerz spielen? Ihre Distanz und Melancholie, Ihre Altklugheit und Erfahrung: bedenken Sie nur! Mund, Stirne und Augenhöhlen verschüttet von Safran. Was führen Sie Klage? III Strophe Stimme aus dem Off Koko, der grüne Gott, einst schwirrte in Freiheit. Über dem Marktplatz im Reiche Sambuco. Da fing man ihn ein und setzte ihm Gitter aus grobem Draht, Und fütterte ihn mit Pomade und mit den Unterröcken der alten Weiber. Er gab nicht Antwort auf höhnische Fragen nach seinem Befinden. Er weissagte nicht mehr die Schicksale der nächsten und übernächsten Welt Traurig und einsam saß er auf seinem Holzpflock. Die Segnungen seiner Gegenwart gediehen nicht mehr. Das verschrumpfte Gesicht einer alten Frau Eule bekam er, Und führte ein absolut logisches Dasein voll Lähmung. Gerüttelt des Nachts von der Sterne einwirkendem Irrsinn rächte er sich durch Verzauberung derer, die ihm die nächsten waren. Antistrophe Sprechchor vom Band [simultan dazu ein „Schreihals“, der den Text im gleichen Rhythmus wei der Sprechchor schreit; die Aufnahme muß so ausgesteuert werden, daß das litaneiartige Rezitieren des Chors und das heftige Schreien im Lautsprecher gleich laut erscheinen] Das himmeischreiende Licht leuchte ihm! Sonne des Todes blähe die Giebel der schmutzigen Bumbuleute, die ihn gefangennahmen. Man spiele seine Ballade auf allen Mundharmoniken der Neuzeit. Man bereite gepolsterte Straßen für ihn, wenn er zurückkehrt. Die zwölf Zeichen des Tierkreises mögen leben von seinem Ruhm. Der Oberbonze darf eine Nacht bei seiner Schwägerin schlafen zum Lohn. Sprechchor /Schreihals vom Band und Sprecher [Sprecher spricht simultan zum Band; das Band macht bis zum Ende des Textes ein fade out, wobei die Stimme des Sprechers gleichlaut bleibt] Menschen und Tiere werfen die Kleider des Leibes und Leides ab, Wenn er wiederkehrt aus der Haft der o-beinigen Räuber. Seine Mutter ist für ihn auf den Talon gegangen im Diesseits und Jenseits, Sein Vater wiegte für ihn auf der Hand die Geister des Bösen. Er hat uns verworfen und lebende Bilder gestellt aus unserer Qual. Er wird die Verzauberung lösen, die uns besessen hält. IV DUETT 2 Frau Goldkopf So geschehe es. Herr Goldkopf Wenn Metatron stampfend die Firmamente durchschreitet. Frau Goldkopf Die Erde wird er an den vier Enden fassen und die Gottlosen daraus schütteln. Herr Goldkopf Beruhigen Sie sich, Madame, wenn ich bitten darf. Lassen Sie uns auf den farbigen Esel steigen und über den Abgrund gemächlich hinunterreiten. Frau Goldkopf Einen Moment nur, wenn es gefällig ist. Damit ich die Sonne, dies Eitergeschwür, mit der Feuerzange anpacke und ihm den gesteigerten Weg zuweise. V Chorus Seraphikus Sprechchor vom Band, Sprecher, Herr und Frau Goldkopf, Stimmen der Musiker Das Voll und Ganze wird hier Ereignis. Im Totentanze strebt es zum Gleichnis. Das Unerhörte - hier tritt es ein. In grellem Lichte: Verworfensein.
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