Fresis04
Nikos Skalkottas - Griechischer Komponist atonalen Charakters

Als Nikos Skalkottas im Alter von 45 Jahren starb, hinterließ er um die 100 Kompositionen, von denen niemand etwas wußte. Niemand hatte sein Vertrauen gewinnen können, - niemandem hatte er von seinen Kompositionen erzählt.

Am Tag seines Todes wurde sein zweiter Sohn geboren.

Aber zurück in das Jahr 1904. Skalkottas wurde in Chalkis als Sohn einer musikalischen Familie geboren. Im Alter von fünf Jahren bekam er den ersten Unterricht von seinem Vater auf einer von beiden selbstgebauten Geige. Auch war die Familie nach Athen gezogen, um ihrem Kind eine bessere Bildung zu ermöglichen. Nach einem sechsjährigen Studium am dortigen Konservatorium, an dem er sein Diplom mit Auszeichnung erhielt, kam er mit Hilfe eines Stipendiums nach Deutschland.

Er war nun 17 Jahre alt und studierte an der Berliner Musikhochschule bei Willy Hess. Nach zwei Jahren begann er Kompositionsstudien bei Paul Juon. In diesem Jahre entstanden seine ersten Werke und bereits im darauffolgenden Jahr die später von ihm als schon reif bezeichneten Arbeiten, ein Streichquartett und ein Trio. Er gab das Geigenstudium auf, um sich ganz dem Komponieren zu widmen.

1925 kam er zu Philip Jarnach, dem Busoni-Schüler, der ihn nach zwei Jahren mit Arnold Schönberg zusammenbrachte, bei dem er weiter vier Jahre studierte. In den Jahren 1928/29 nahm er zusätzlich Unterricht bei Kurt Weill.

Wie Skalkottas selbst sagte, verdankt er Schönberg am meisten, obwohl seine musikalische Persönlichkeit bereits vor deren Zusammentreffen geformt war.

Skalkottas’ Kompositionen wurden des öfteren aufgeführt und er selbst nahm an Aufführungen des Schönberg-Kreises teil. Sein Geld verdiente er mit dem Spiel in Kaffeehäusern und Kinosälen; daneben wurde er auch 1928-31 von privater Seite unterstützt.

Er musizierte pausenlos, organisierte Happenings und liebte Witze.

Der Aufstieg der Nationalsozialisten zwang seinen Lehrer Schönberg auf Grund seiner jüdischen Herkunft das Land zu verlassen. Schönbergs wie auch Skalkottas’ Musik wurde nun als entartet bezeichnet.

Eine große Enttaüschung in der Liebe und seine finanzielle Unsicherheit waren mit der Grund, im gleichen Monat wie Schönberg - Mai 1934 - Deutschland zu verlassen.

Er ließ neben seinen Habseligkeiten auch seine Kompositionen zurück. Wieder in Griechenland, stieß er auf Desinteresse und Unverständnis seiner Musik gegenüber, was ihn in eine große Isolation führte. Er wurde depressiv, introvertiert und pflegte Abstand zu seiner Umwelt mit distanzierter Höflichkeit. Seinen Lebensunterhalt erspielte er sich als Geiger in verschiedenen Orchestern und verlor kein Wort über die Tatstache, daß er weiterhin intensiv komponierte.

Sein größtes Problem lag wohl in der Auseinandersetzung seiner griechischen Identität mit der westeuropäischen Musiktradition. Er war weit entfernt von der damals in Griechenland herrschenden Romantisch-Nationalen Schule. In seinem Schaffen setzte er sich jedoch mit seinen eigenen Wurzeln auseinander. Im letzten Berliner Jahr hatte er wenig komponiert, wohl auch auf der Suche nach dem Weg, das von ihm Gelernte umsetzen zu können. Erst nach der Rückkehr nach Athen, wo er anfangs nur einige griechische Tänze komponierte, begann die Verschmelzung seiner beiden Identitäten.

In den “Variationen über ein griechisches Volksthema” kann ein Beispiel dafür gefunden werden: das “griechische Volksthema” war ein eigenes und atonales Thema griechischsichen Charakters, das das Potential seiner eigenen musikalischen Sprache aufweist.

Nach der Pause der ersten Jahre in Athen begann seine schöpferische Phase. Etwa zwei Drittel seines Gesamtwerkes wurden nach den Volkstänzen komponiert. Die innere Verbindung zur westlich-europäischen Musik wird schon bei den Titeln erkennbar: Sonaten, Suiten, Variationen, Passacaglia, Lied...

Sein erstes rein atonales Werk sind die “15 Variationen für Klavier” aus dem ersten Jahr bei Schönberg. Mit Ausnahme seines 1. Klavierkonzertes und zwei Sätzen aus dem Oktett hat Skalkottas in Berlin nicht zwölftönig komponiert. Auch in seinem späteren Werk findet man sowohl zwölfton als auch atonale Kompositionen, oder eine Auseinandersetzung beider.

Die Grundlage für seine eigene Art mit 12 aufeinander bezogenen Tönen zu komponieren, fand er erst in Athen. Er verzichtete auf die Umkehrung und beinahe völlig auf die Transposition (die griechische musikalische Tradition ist keine polyphonale).

Das Erbmaterial für seine Kompositionen gewann er durch Reihenkomplexe von bis zu 16 einander folgenden Reihen, in immer gleicher Folge. Durch solche “DNA-Ketten” war ihm nun möglich, größere Formen zu bilden.

Nach zehn fieberhaften Arbeitsjahren lernte er seine Frau kennen, ein Ereignis, das sich mit Freude und Leichtigkeit in seinen Kompositionen niederschlägt. Es entstand das Klavierconcertino, in seiner Weise ähnlich manchen Werken Poulencs.

Folgende zwölfton Kompositionen charakterisieren sich durch die Schlichtheit ihrer Form. Seine Technik erschließt uns einen multidimensionalen Raum, mit Klangflächen, Spiralen, Säulen, Prismen und Spiegelungen - ineinander verschmolzenen Formen und Melodien, über die gesamte Spannbreite.

Er starb 1949 im Alter von 45 Jahren an den Folgen eines vernachlässigten Bruches.

body_main_footer57